<bgsound src="../sounds/unknown/reverie.mid" loop="-1">WEBCounter by GOWEB November


Wieder einmal stand er einsam am Fenster und sah in die Landschaft hinaus. Seine Hände umklammerten die warme Heizung doch er fühlte nur Kälte - die Kälte der Einsamkeit und der Sehnsucht. Dunkel erinnerte er sich an die letzte Begegnung, als sie ihren warmen Körper an ihn lehnte und ihr Kopf auf seiner Schulter lehnte. Er erinnerte sich an den Geruch ihres Haares - frisch gewaschen, weiblich, locker - und er erinnerte sich auch an das Gefühl, das er dabei hatte, als er sich von ihr verabschieden mußte, mitten in der Nacht. Vor dem Fenster sah er ein tristes Novemberszenario - braungraue Felder, dunstiger Nebel versteckte den nahen Wald und verdeckte sogar die Sonne. Kälte kroch in ihn hinein und verstärkte die Einsamkeit. Seine Finger schoben sich zwischen die Lamellen der Heizung und versuchten etwas von der Wärme aufzufangen, sein Becken lehnte ebenfalls daran.

Von hinten hörte er Stimmen - ein glockenhelles Lachen drang durch seine düsteren Gedanken. Wessen Stimme das wohl sein mag? Vielleicht die kleine, die mit den brünetten Haaren und dem Lausbubengesicht? Oder die andere, etwas stärkere, die ihn so geheimnisvoll betrachtet hatte, als die Begrüßung stattgefunden hat? Draußen picken ein paar Krähen die letzten Körner zwischen den Erdkrumpen hervor, streiten sich lautstark darum. Da ertönt wieder dieses Lachen - befreiend, ablenkend. Eigentlich wollte er ja gar nicht hier sein, trotzdem er sich dazu überreden ließ - wenn sie nur ein Wort gesagt hätte, wäre alles anders gekommen, kein Abschied, kein Fortfahren - die Nacht der Nächte. Immer noch kreisen seine Gedanken um sie, da öffnet sich hinter ihm die Türe. Eine Handvoll Menschen strömen auf den Gang - Pause offenbar. Inmitten der Menschen das Mädchen, das seine Aufmerksamkeit schon ein paarmal geweckt hat - diese freie und unkomplizierte Art, das schalkhafte Lachen, ihre Bewegungen - einfach alles.

Er blickt sie offenbar zu intensiv an, denn sie wendet ihm jetzt ihren Kopf zu. Fragend trifft ihn ihr Blick, als ob sie seine unbestimmte Sehnsucht spüren würde. Ein Lächeln spielt noch um ihre Mundwinkel, doch als sie in seine Augen blickt, vergeht es. Ernst und doch freundlich verharrt ihr Blick, als ob sie ihn verstehen könnte. Doch schon ist der Moment wieder vorbei, spricht sie jemand anderer an, sie wendet ihren Kopf. "Noch ein paar Minuten," denkt er sich "dann muß auch ich wieder weitermachen." Immer noch betrachtet er sie, stellt sich vor, wie sie riechen, wie sich wohl ihre Wärme anfühlen könnte. Sehnsucht und Vernunft ringen miteinander, Fantasie und Realität vermischen sich in seinen Gedanken.

Plötzlich steht sie vor ihm, die er in der Früh noch verabschiedet hatte, sie - nach der er sich wirklich sehnt. In ihren Augen erkennt er das, was er in denen der anderen vergeblich gesucht hat. Auch sie hat diesen schalkhaften Blick, doch ihrer ist weicher, zärtlicher, wenn sie ihn ansieht. Seine Hände streicheln sanft über ihren Arm - als ob er Angst hätte, sie damit zu vertreiben. Die Blicke versinken in einander und die Umgebung verschwimmt. Fantasie und Realität vermischen sich - nun scheint die Fantasie zu siegen, doch da erklingt wieder dieses helle Lachen und reißt ihn aus seinen Gedanken.

Er fühlt wieder die Wärme der Heizung in seinem Rücken, die einzige Quelle im Moment. Und draußen vor dem Fenster ist immer noch dieser naßkalte Novembernebel, der langsam in sein Herz kriecht und die Einsamkeit des Moments macht ihn versucht, auch sie zu vergessen, die ihm so viel bedeutet. Davonlaufen, hinaus in den Nebel - eintauchen und verschwinden, sich nicht stellen müssen - das sind so seine Gedanken in diesem Moment - und doch bleibt er stehen, lehnt sich an die Heizung, nur um sich ein wenig geborgen zu fühlen, ein wenig von der Wärme zu erhalten, nach der er sich gerade jetzt so sehr sehnt. Doch draußen kommt der Nebel immer näher, bricht langsam die Dämmerung herein und läßt die Welt hinter dem Fenster noch grauer erscheinen - noch einsamer....



GF © 18.11.1996

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