<bgsound src="../sounds/unknown/04-so-01.mid" loop="-1">WEBCounter by GOWEB warten auf sieben
(eine Alterserscheinung?!)


Tick tack - tick tack - leise tickt die Uhr neben mir vor sich hin. Ich sitze zu Hause und warte im Moment darauf, daß es sieben wird. Noch eine halbe Stunde bis dahin - der Zeiger bewegt sich langsam im Kreis.

Draußen vor der Türe weint irgendwo ein kleines Kind - eine ähnliche Stimme, wie die der kleinen Anna von gestern. Aber es wird sicher nicht sie sein, die kleine Anna weint ja nicht mehr. Aus dem Hintergrund ruft eine Frau "jetz hea do endli auf zum waana" - ein wiener Dialekt, hier in Bayern? Ja, das muß die Nachbarin zwei Häuser weiter unten sein, die mit dem kleinen Buben. Die kommt ja aus Wien, hat sie mir unlängst beim spazieren gehen erzählt.

Ihr Mann hat sie vor vielen Jahren schon in Wien getroffen, als er da auf Urlaub war. Wie im Märchen war es, so hat sie's mir erzählt - mitten im Sonnenschein auf einer grünen Wiese im Prater ist er über sie gestolpert, hat sich freundlich entschuldigt - und sie sich in ihn verliebt. Ein paar Tage danach schon mußte er wieder zurück in's schöne Berchtesgadner Land, aber das hat die beiden damals nicht gestört.

Schon wenige Wochen später haben sie sich dann wieder in Salzburg getroffen, auf einer Ausstellung zu Ehren unseres "Woiferls", wie sie den großen Komponisten nennt. Da hatte es dann auch prompt eingeschlagen - die Tochter ist auch schon erwachsen und geht arbeiten, während die alte Wienerin auf den Enkelsohn aufpaßt.

"Aa gaunz a wüda" hat sie mir erzählt - "jedn Tog miass ma eam suachn, owa jedn Tog issa woaunders hi". Ganz leicht schwingt der bayrische Akzent in ihrer Sprache mit - ganz leicht erinnert sie mich jetzt an meine Vermieterin. Aber trotz all den Jahren, die sie jetzt schon weg ist aus Wien, hat sie trotzdem noch diesen Dialekt in ihrer Sprache, als ob sie nie aus der Heimat fort wäre.

Tick tack - immer noch tickt die Uhr neben mir vor sich hin, erinnert mich daran, daß ich ja um sieben weg wollte. Ich winke den beiden kurz aus dem Fenster zu und mache mich dann langsam fertig. Eigentlich weiß ich ja gar nicht mehr, wohin ich um sieben wollte - aber ein paar Minuten habe ich noch, es fällt mir sicher wieder ein.

Vor dem Fenster schimpft inzwischen die alte Dame mit dem Buben, irgend etwas scheint er schon wieder angestellt zu haben - ja wenn ich mich daran erinnere, wie meine Mutter immer mit mir schimpfen mußte, als ich noch klein war - soo schlimm wie ich war, kann der Kleine ja gar nicht sein.

Tick tack - tick tack - die Zeit vergeht, während ich mich daran erinnere, als ich noch so ein Lausejunge war. Wie ich damals, vor einige Jahren, mit acht oder neun Jahren die gesamten Erdbeerbeete leer gegessen habe, nur, weil ich den anderen nichts abgeben wollte. Und gerade an diesem Tag hat meine große Schwester Geburtstag gefeiert und meine Mutter wollte eine Erdbeertorte machen für sie. Uii - zuerst hat sich mit mir geschimpft, für meine frechen Antworten habe ich dann auch ein paar hinter die Ohren bekommen - aber die schlimmste Strafe war eigentlich, daß ich vor lauter Bauchschmerzen und Durchfall nicht an der Geburtstagsfeier teilnehmen konnte!

Tick tack, tick tack - die Zeit verrinnt, während ich mich so an meine eigenen Jugendstreiche erinnere, die Frau ist mit dem Buben inzwischen längst im Haus verschwunden, nur die Uhr auf dem Tisch erinnert mich noch daran, daß ich ja eigentlich weg wollte. Irgendetwas hatte ich vor - naja, egal, es sind ja noch ein paar Minuten, die ich Zeit habe.

Genauso geht es mir manchmal in der Früh, wenn ich eigentlich aufstehen und zur Arbeit gehen sollte - das Ticken des Weckers erinnert mich immer wieder an irgend etwas, zum Beispiel, an die Geschichte von der Decke, die ich einmal geschrieben habe. Tja, wenn dann niemand neben mir liegt, dann kann es schon passieren, daß ich mich umdrehe und wieder davon träume, aber jetzt? Irgendetwas hatte ich noch vor heute Abend, etwas ganz wichtiges - deswegen steht ja auch die Uhr auf dem Tisch, damit ich ja nicht zu spät komme.

Langsam dreht sich der Zeiger weiter, während ich so vor mich hin schreibe - tick tack, tick tack, ein schönes Geräusch, so richtig einschläfernd! Und ehe ich mich versehe, ist es schon knapp vor sieben - und ich hab' völlig vergessen, was ich noch vor hatte. Aber glücklicher Weise gibt es ja so etwas wie einen Terminkalender - den werde ich jetzt mal zu Rate ziehen, dann weiß ich es wieder ...

... nur leider ist der ebenfalls leer, die Zeiger stehen schon knapp vor sieben - die Frau da draußen ist schon längst verschwunden, meine Müdigkeit auch. Während ich so sitze und warte, daß mir wieder einfällt, was ich vor hatte, vergeht eine Minute nach der anderen, eine Szene meines Lebens nach der anderen lenkt mich wieder ab. Nun ja, vielleicht hätte ich mir den heutigen Abend doch ein wenig genauer planen sollen - nicht nur daran erinnern, daß ich etwas wollte um sieben. Aber langsam, langsam fällt es mir wieder ein.

Sechs Minuten davor - sechs Minuten vor sieben, während ich immer noch darauf warte, daß der große Zeiger nach oben zeigt, da fällt es mir ein - um sieben wollte ich spätestens zu Hause sein! Da warte ich nun schon seit einer knappen Stunde darauf, daß es endlich sieben wird, zermartere mein Hirn, was ich um sieben eigentlich vorhatte, nur um dann drauf zu kommen, daß ich um sieben eigentlich nur zu Hause sein wollte?!

Leute - ich werde langsam alt.
Glaube ich zumindest.
Mal sehen, was sich um sieben tut.


GF © 05.03.1998

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